Die Wikinger

Wer oder was waren die Wikinger und was haben sie mit dem Mittelalter zu tun? Dieser Frage möchte ich in folgendem Artikel nachgehen.

Begriffsbestimmung

Zunächst einmal sollten wir vielleicht mit dem Irrglauben aufräumen, die Wikinger hätten sich selbst Wikinger genannt, bzw. sich zwingend als solche Empfunden. In der Wissenschaft werden heute zwei mögliche Worte als Stammhalter für den Begriff "Wikinger" diskutiert:

  1. Das altnordische Verb "víkingr" (zu Deutsch: rauben, plündern, auf Beutezug sein) und
  2. Der Lateinische Begriff "vicus" (bezeichnet Männer, die auf Schiffen von Hafen zu Hafen pendeln, kurz Seefahrer)

Somit ist der Begriff "Wikinger" weniger ein Ausdruck der ethnischen Zugehörigkeit (wollte man diese Angeben müsste man von "Nordgermanen und Teilen der Nordseegermanen" sprechen), als viel mehr eine Berufsbezeichnung.

Für sich selbst hatten die Wikinger noch einmal dutzende andere Bezeichnungen. Die beiden bekanntesten möchte ich kurz erläutern:

Die Wikinger um den Fürsten Rollo, der dem Enkel Karls des Großen Siedlungsland im heutigen Frankreich abpresste, nannten sich fortan "Normannen" (woraus der heutige Begriff "Nordmänner" wurde)

Schwedische Wikinger wurden von ihren finnischen Kollegen "Waräger", oder auch "Rus" genannt. Sie siedelten nachweislich ab dem Jahr 750 in Gebieten des heutigen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine.

Der Name "Russland" ist dabei genauso auf die "Rus" zurückzuführen, wie die "Normandie" auf die "Normannen".

Ursachen

Dass die Skandinavier zu einer so berühmten und gleichermaßen gefürchteten Seefahrergesellschaft wurden, ist dabei wohl am ehesten auf die klimatischen Verhältnisse zurückzuführen, mit denen diese Menschen leben mussten. Auch heute ist der skandinavische Winter viel länger und kälter, als der in Mitteleuropa und das macht Landwirtschaft und Viehzucht eben nicht leichter. Sie hatten also schlichtweg keine andere Wahl, als ihr Glück in der Ferne zu suchen.

Auswirkungen

Auf diesem Weg kamen die Wikinger praktisch nebenbei zum Ruf als Entdecker und wagemutige Reisende. Sie besiedelten Grönland und Island und trieben Handel bis hinunter nach Konstantinopel (das heutige Istanbul). In einem Bereich bleibt ihnen trotz inzwischen gesicherter Erkenntnisse, der verdiente Ruhm bisher aber versagt: Die Rede ist von nichts gerinngerem als der Entdeckung der neuen Welt - des Amerikanischen Kontinents - und das rund 500 Jahre bevor Christoph Kolumbus die Lorbeeren dafür einstrich.

Tatsächlich haben Forscher in den 1960er Jahren auf der neufundländischen Insel L'Anse aux Meadows Überreste einer Wikingersiedlung gefunden, die um das Jahr 1000, vermutlich von Wikingern erbaut worden war, die zu Leif Eriksson gehörten, einem grönländischen Wikinger, der auf Grund eines Mordvorwurfes aus seiner Heimat floh.

Den ersten gesichert überlieferten Kontakt zwischen Wikingern und Mitteleuropäern beschreibt ein Vertrauter Karls des Großen als "Überfall von Wilden" auf das britische Kloster Lindisfarne im Jahr 793. Von diesem Moment an, fielen die Wikinger über einen Zeiteraum von gut 250 Jahren immer wieder in Mitteleuropa ein und plünderten.

Allerdings waren längst nicht alle Wikinger mordlustige Diebe. Sie waren ebenso talentierte Handwerker und erfahrene Händler. Im Laufe der Zeit ließen sie sich in Gebieten nieder, die sie früher geplündert hatten und passten sich örtlichen Gegebenheiten, Sitten und letztlich auch der Religion der ursprünglichen Bewohner an.

Untergang?

Falsch ist daher auch die Aussage, "die Wikinger gäbe es nicht mehr" oder sie seien gar "ausgestorben". Sie haben sich vielmehr verteilt und integriert und sind heute alteingesessene Bürger diverser Länder, die teilweise über 1000 km vom skandinavischen Teil Europas entfernt sind.

Als "Ende der Wikingerzeit" kann heute jedoch das späte 11. Jahrhundert benannt werden. In diesem Zeitraum wurden aus hunderten kleiner Herrschaftsgebiete im skandinavischen Raum die Königreiche Norwegen, Dänemark und Schweden. Bald darauf ordnete ein Dänischer König für sein Volk insgesamt die Konvertierung zum Christlichen Glauben an. Die Rede ist von "Harald Blauzahn", dessen Rune heute das Logo der BlueTooth Technologie bildet.

Er verfolgte damit zwei Ziele:

  1. Dänemark grenzte als einziges skandinavisches Land direkt an das fränkische Reich und sah sich im 11. Jahrhundert immer wieder Angriffen der Fraken ausgesetzt, die ihrer Auffassung nach ja "nur ungläubige" überfielen.
  2. Ursprünglich waren skandinavische Stämme eher demokratisch orientiert. Der Herrscher konnte nicht einfach machen was er wollte, sondern musste sich zunächst von einer Art Volksversammlung, dem Thing, wählen lassen und auch seine späteren Entscheidungen waren durch das Thing in gewisser Weise angreifbar. Dies wiederspricht natürlich dem Alleinherrscheranspruch eines Königs, während die christliche Kirche das Geburtsrecht des Adels durchaus unterstützte.

Außerdem fiel im 11. Jahrhundert auch das Seefahrermonopol der Wikinger, denn die Mitteleuropäer hatten in den vergangenen 200 Jahren ein Menge dazugelernt und waren nun selbst auch in der Lage, Schiffe zu bauen, die Hochseetauglich waren.

An dieser Stelle auch ein Hinweis auf weitere Informationen innerhalb unserer Webseite: Vingolf - Haus der Freundschaft e.V. hat im Rahmen einer Verins- und Bildungsreise im Jahr 2019 Haithabu besucht. Hier geht es zu den Bildern der Reise und dem dazugehörigen Reisebericht